Schwacher Start, starkes Finish

In einem sehr turbulenten Rennen fahren Gregor Jöbstl und Christian Kargl beim Klassiker der Classe Mini, der "Odyssee d'Ulysse" von Villefranche sur Mer bei Nizza rund Sardinien nach Villefranch sur Mer auf Platz 8. Freude und Leid liegen bei der heurigen Auflage des Klassikers besonders knapp zusammen. Während der Gewinner Samuel Manuard auf "Bahia Express" bereits am Freitag das Ziel in Villefranch sur Mer erreicht, kämpfen andere ab dem südlichsten Wendepunkt Cap Spartivento (südl. Sardinien) bis heute mit Starkwind. Bis 5 m Wellenhöhe und 50 kts Wind bereiten nicht nur dem Organisationsteam rund um Frank Kovat ernsthaft sorgen.

Mastbruch, zwei Hubschrauberbergungen, Leinenbrüche, Segelrisse und gesundheitliche Probleme bzw. der starke Wind lassen keinen Zweifel, dass das Mittelmeer im April nicht zu unterschätzen ist. Am vorausgesagten Ende des Rennens am Abend des 10. Aprils sind nur 8 von 21 Yachten zurück in Villefranch sur Mer. Darunter auch das erste österreichische Minitransat Team.

Bereitet am Anfang der Woche der leichte und unstetige Wind beim Kreuzen Richtung Süden noch etwas Sorgen werden Gregor und Christian im zweiten Teil der Strecke mit viel Rückenwind entschädigt und erreichen nicht nur einmal Etmale jenseits der 170 Seemeilen in 24 Stunden. Immerhin ein Schnitt von mehr als 7 Knoten pro Stunde!

"Das Rennen wurde bereits am ersten Tag entschieden", meinte Kristian (Mini 509 "Adria Mobil"). "Wer als erstes die Straße von Bonifacio durchquerte, konnte mit weitgehend konstanten Ostwinden rechnen, während das langsamere Hauptfeld mit Flaute begrüßt wurde und nur noch zeitweise termische Verhältnisse vorfand", so Kristian weiter. Der erste österreichische Mini "GUIZMO" kam ebenfalls in den Genuß von Flaute und passierte die Straße von Bonifacio am Dienstag nachmittag.

Mit termischen Winden geht es weitere drei Tage Richtung süden. Je nachdem, wie nahe man sich zum Land wagte, kann man hier einiges Gutmachen aber ebensoviel wieder verlieren. Es ist ein Spiel und nicht selten hat man Sichtkontakt zu anderen Booten, mit denen man sich bis in die Dämmerung matchen kann. In der Nacht verliert man oft den Kontakt und kommt am nächsten Tag mit völlig anderen Booten zusammen.

Durch die immer neuen Boote kann man nach drei vier Tagen absolut nicht mehr sagen, wo im Feld man sich positioniert hat. Die Spannung steigt bis zum Ziel. Erst dann gibt es die Gewissheit, wie viele Yachten schon vor dir angekommen sind.

Ab Cap Carbonara am südöstlichsten Punkt Sardiniens geht es "bergab". Der Wind scheint günstig von Osten und nach einem feierlichen Manöverschluck zur Halbzeit der Regatta ist man im Kopf manchmal schon im Ziel ;-)

Im nächtlich auffrischenden Südostwind erreichen wir mit unserem "kleinen" 62m² Spi knapp 15 kts. Der Wind bleibt auch am nächsten Tag und so können wir Sardinien am Tag Nummer 6 geistig abhaken und in unserem Kielwasser liegen lassen. So brauchten wir drei Tage nach Süden um das ganze in einem Tag wieder Richtung Norden ab zu segeln.

Meteo Italia verspricht nichts Gutes: starke Nordwestwinde drehend auf Nord bis 45 Kts. Nach Abhören der Wetterinfo auf Kanal 68 brauchen wir noch einen Manöverschluck ehe wir uns entschliessen aus Sicherheitsgründen keinen Schlag nach Westen zu machen sondern unter Land die Korsische Küste nach Norden zu segeln. Die Idee war gut und statt der vermeintlichen Winddrehung nach Nord dreht der Wind nach WSW und läßt uns Halbwind Richtung Nizza düsen. Wellenhöhen von mehr als 5 m ergeben bei Windstärke 7 ein groteskes Bild von Bord der Riesenyacht "GUIZMO".

Nach 46 gezählten Sonnenuntergängen (jeweils in den Wellentälern geht die Sonne unter) geraten wir in einen Eiertanz zwischen Gewitterböen und Spinnakerkurs und tänzeln zwischen den Gewittern hin und her. Ist einmal die perfekte Einstellung zu Wind und Spinnakertrimm gefunden kommt die nächste Welle und zieht dem Steuermann das Boot unter dem Hintern weg ... nach drei Tagen fast ohne Schlaf könnt ihr euch vorstellen, dass die Konzentration etwas leiden muss und Sonnenschüsse am Programm standen.

Am Ende der Nacht ist Villefranche sur Mer (Nizza) schon am Horizont zu sehen und um 08:45 erschallt das erlösende Horn der Wettfahrtleitung und ein ermutigender Spruch über Funk erreicht uns:
"Welcome home boys, you are ranked number 8!" Die Freude ist groß, da wir um unsere Schwäche am Beginn der Regatta wussten und schon mit dem letzten Drittel rechnete.

Dann gab's die erste heiße Dusche nach 7 Tagen Trockenanzug und Segelstiefel und nur sehr eingeschränkter Körperpflege ;-)
Die nächsten Stunden gingen wir breitbeinig wie echte Seemänner und ziemlich ferngesteuert durch die Marina und anschliessend ins Bett ...

Erstaunlich noch die vorherrschende Kälte in Nizza. Schneebedecktes Hinterland begrüßt uns, als wenn uns nach 7 Tagen bei Wind und Wassertemperaturen von nur 15 Grad nicht schon genug frieren würde. Die letzten zwei Nächte konnten wir aufgrund der Kälte schon keinen Schlaf mehr finden und bibberten mit blauen Fingern nur noch vor uns hin (trotz 8 Schichten Gewand)!

Faszinierende Regatta mit tollen Partys aber einem Mittelmeer, dass seine Zähne zeigte. Sicher keine Regatta für Warmduscher!

Ergebnisliste und detailierte Berichte zu den Schadensfällen unter www.odysseedulysse.com